Interview mit den ältesten Mitgliedern des Deutschen Kulturvereins Dobele - Vanda und Andrejs

Erstellt: 2021-11-06 , Verband der Deutschen in Lettland
Nachdenken über deutsche Vereine Lettlands fiel mir der Verein Dobele ein. Ich traf mich häufig mit Mitgliedern dieses Vereins und nahm sogar am 30-jährigen Bestehen des Deutschen Kulturvereins Dobele teil. Plötzlich fiel mir auch eine Frage ein, wer von ihnen am längsten in diesem Verein tätig ist. Es stellt sich heraus, das sind Vanda Švanka und Andrejs Jansevičs. Somit führe ich diesen Monat das Interview mit ihnen durch und stelle traditionelle Fragen an sie.

Was verbindet Euch mit Deutschland?

Andrejs: Ich wurde von deutscher Musik der 60er und 70er Jahre inspiriert. In der Armee diente ich in der Funkeinheit, alle Radiosender standen mir zur Verfügung, alle Funkfrequenzen waren nachts zu hören, sodass ich die Nächte hindurch deutsche Musik hören konnte. Die Musiksendung aus der DDR war ganz anders, aber ich mochte sie trotzdem. Es gab auch Radio Luxemburg und andere Sender, das war damals meine Unterhaltung. Gerade ist mir das tolle Lied "Die Schönste Rose ist meine Rosmarie" eingefallen.

Vanda: Mein Vater und meine Mutter heirateten in Riga. Ich bin eine Mischung aus zwei großen Nationen - meine Mutter ist Polin, mein Vater war Deutscher. Seine Vorfahren leben seit dem 18. Jahrhundert in Lettland. 1939 beschloss mein Vater, nach Deutschland zurückzukehren. Wir ließen uns in der Stadt Ostrovo, Polen, nieder. Meine Mutter entsprach nicht dem echten deutschen Typ, wir mussten hierzulande bleiben. Dann wurde der Vater zum Krieg eingezogen, die Mutter und die Kinder kehrten nach Riga zurück. Sie beschloss, alles Deutsche aufzugeben, so verlief unser Leben und so landete ich in Dobele. In Deutschland heiratete der Vater schon zum zweiten Mal, ich habe deswegen zwei Stiefbrüder. Wir haben uns miteinander getroffen, aber wir haben keine gemeinsamen Interessen.

Warum wollten oder was hat Euch motiviert, im Deutschen Kulturverein tätig zu sein?

Andrejs: Mein ganzes Leben arbeitete ich seit 1968 bei Latvenergo. Und einmal reparierte ich ein Stromkabel in einem deutschen Verein, in dem ich Krista Banga kennenlernte und ihr erzählte, dass ich schöne Hits mag, und sang sogar das Lied „Das ist der Bikini Shake am blauen Meer“. Als Krista Banga mich singen hörte, lud mich sofort ein, im Vereinsensemble zu singen. Und das mache ich es seit 1989.

Vanda: An mich wendete sich Krista. Sie hat erfahren, dass ich deutsche Wurzeln habe, und schon damals war das Ensemble aktiv. Bis dahin hatte ich bereits an verschiedenen polnischen Veranstaltungen teilgenommen, auf polnischen Festivals gesungen. Das Singen begleitet mich seit meiner Kindheit. Seit ich 8 Jahre alt war, stand ich schon im Chor in der ersten Reihe und sang. Ich mag den Chorgesang sehr, ich habe in mehreren Gruppen gesungen, darunter auch Gesang im Instrumentalensemble "Saule". Die Leitung des Ensembles des Deutschen Kulturvereins Dobele hat sich geändert, der deutsche Geist spielt hier eine große Rolle, mir gefällt alles, was mit Deutsch zu tun hat. Wenn man die wunderbaren deutschen Sängerinnen Andrea Berga, Helene Fischer und anderen hört, gibt es uns auch Artistik, wir lernen uns bewegen. Wir singen unter der Begleitung eines Akkordeonspielers. In diesen tollen Jahren habe ich mich nicht mehr zu viel gezwungen, ich bin ruhiger geworden. Da beide Vereinsmitglieder Dobele schon lange im Ensemble „Die Lustigen“ singen, sind die Erinnerungen und Eindrücke ähnlich. Die beiden erinnern sich gerne an 3 Deutschlandbesuche in Schmelne, bei denen sie Deutschland, dessen Städte, Natur, Menschen kennengelernt haben. Das sind Auftritte des Ensembles in vielen Konzerten, Reisen außerhalb der Region und sogar aus dem Land, denn das Ensemble "Die Lustigen" hat nicht nur an den Liederfestivals der deutschen Vereine vom Baltikum in Liepaja, Riga, Ventspils, Daugavpils, sondern auch in Kaunas, Klaipeda, Šilute, Tartu teilgenommen. Andris erinnert sich gerne an das Konzert der Minderheitengruppen in Jelgava in diesem Sommer.

Was bedeutet es für Euch, Mitglied im Deutschen Kulturverein Dobele zu sein oder was organisiert Ihr?

Andrejs: Ich organisiere nichts, ich warte darauf, dass die anderen etwas veranstalten, aber es besteht der Wunsch mitzumachen. Ich mag den Karneval, der einmal im Jahr stattfindet. Ich nehme an den Aufräum- und Reinigungsarbeiten teil, die im Verein durchgeführt werden, sowie an anderen Treffen, wenn wir zusammen sein können.

Vanda: Partys? Nein, aber ich mache trotzdem mit. Das ist eine ewige Aufgabe, den Verein zu pflegen: das Laub zu entfernen, die Umgebung zu reinigen, obwohl diese Gegend eigentlich nicht uns gehört.

Wenn ich die Zeit im deutschen Verein bewerte, gebe ich zu, dass es mir sehr gut gefallen hat, wenn es Gottesdienste im deutschen Verein gab. Es war einfach fantastisch, nach dem Gottesdienst blieben wir zusammen, bei einer Tasse Tee erzählten wir interessante Geschichten.

Interessanter wäre es, wenn wir uns miteinander auf Deutsch unterhalten könnten. Die Deutschkurse finden statt, aber da keine deutschen Muttersprachler unter uns sind, reden wir nicht auf Deutsch. Es gibt auch eine Sprachbarriere damit anzufangen, denn wir fühlen uns schüchtern, dass wir die deutsche Sprache nicht sehr gut können. Lettland ist schon da, unsere Arbeit ist so ein deutsches Spiegelbild. Es wäre interessant, sich mit den Kollegen aus Valmiera zu treffen. Früher haben sie sich miteinander auf Deutsch unterhalten, aber jetzt gibt es leider keinen Verein mehr.

Wir haben viel Erfahrung. Mehrere deutsche Botschafter haben uns besucht, ich erinnere mich immer noch sehr gerne an das Treffen mit dem ersten deutschen Botschafter, Grafen von Lambsdorff, im wiederhergestellten Lettland.

Ich habe Vanda nicht einmal gefragt, wie sie die Zukunft des Deutschen Kulturvereins Dobele evaluiert, sie ist darauf aber selbst eingegangen.

Vanda: Wenn die hellen deutschen Kleider angezogen werden, gefällt es dem Publikum, aber unser Gesang hat einen lettischen Beigeschmack. Derzeit gibt es in der Vereinsleitung keine Person, die gut Deutsch spricht, daher werden keine Kontakte auf Deutsch aufgebaut.

Valters ist jung und fähig, kann gut Englisch. Guna schreibt ausgezeichnete Projekte auf Lettisch. Dieses Jahr haben sie eine tolle Arbeit geleistet, fünf fantastische Stände mit Fotos und Informationen zu 45 Gutshöfen auf unserer Seite gemacht. Die Präsentation dieser Materialien war am 16. September auf den Ruinen der Burg Dobele eine sehr schöne Veranstaltung, und unsere Stände scheinen in einem Museum aufbewahrt zu werden. Aber ohne einen deutschsprachigen Verein kann die Arbeit formal werden.

Autorin: Māra Kraule
Übersetzung: Kristina Khizhniakova