Interview mit Māra Kraule, Vorsitzende des deutschen Kulturvereins Ventspils

Erstellt: 2021-11-09 , Verband der Deutschen in Lettland
Meine Aufgabe in diesem Newsletter ist es, Menschen zu interviewen, die sich schon lange in der deutschen Vereinsbewegung engagieren. In diesem Monat fand wegen meiner Untätigkeit kein einziges Gespräch statt. Und jetzt raffte ich mich auf und beschloss, über mich selbst zu schreiben und meine Arbeit mit genau den gleichen Fragen anzusprechen, die ich in früheren Interviews verwendet hatte.

Was verbindet mich mit Deutschland?

Als ich die deutsche Sprache im ersten Deutschunterricht in der fünften Klasse gehört habe, wurde mir sofort klar, dass ich in meinem zukünftigen Leben nicht darauf verzichten kann. Ich lernte die Sprache und träumte davon, mindestens einmal in meinem Leben nach Deutschland zu kommen. Dieser Wunsch von mir ging 1986 zum ersten Mal in Erfüllung, als ich mich einer Reisegruppe anschloss, die in die Deutsche Demokratische Republik reiste. Ich hatte dreimal Glück, in die DDR zu kommen. Nach jeder Rückkehr träumte ich wieder von einem neuen Besuch in Deutschland, damit ich möglichst viel über Land und Leute erfahren konnte. Die Träume von damals wurden wahr, denn ich war schon oft in Deutschland. Zudem leben meine Freunde, meine Tochter und meine Familie dort. Wenn ich gefragt werde, wo ich hin will, antworte ich darauf nur eins - nach Deutschland, um einen Ort oder Sehenswürdigkeiten dieses Landes zu besichtigen, wo ich noch nie war. Jetzt ist mein gewünschtes Ausflugsziel das Moseltal, wo ich bald hoffentlich die Zeit verbringen kann. An vielen Orten in Deutschland fühle ich mich zugehörig, aber besonders die Weinberge im Süden Deutschlands ziehen mich an.

Was hat mich motiviert, im Deutschen Kulturverein tätig zu sein?

Wir wurden von einer deutschen Delegation aus Stralsund besucht. Der stellvertretende Vorsitzende der Kolchose veranstaltete für uns ein Treffen im Landwirtschaftsministerium, wo ich übersetzte. Danach wurde noch ein Treffen mit dem Deutschen Verein in Riga geplant. Wir trafen uns an einem Tisch im Rigaer Restaurant, und anschließend erfuhr ich auch, dass es solch einen Verein gibt. Früher hatte ich mit den Mitgliedern des Deutschen Vereins überhaupt nicht kontaktiert. Ich war so überrascht, dass ich diese Gespräche übersetzen musste, weil die Vereinsmitglieder kein Deutsch verstanden. Nachdem machte ich mir Sorgen, ob es in Ventspils solch einen Verein gab. Leider fand ich keine Kontakte.

Mehrere Jahre vergingen und in der Zeitung "Ventas Balss" erschien ein Artikel, dass die Mitglieder des neuen deutschen Kulturvereins Ventspils kurz vor Jahresbeginn die Deutsche Botschaft in Riga besucht hatten. Anfang 2004, ein bisschen später, bin ich diesem Verein beigetreten, bald wurde ich Vorstandsmitglied und nun ist es das achtzehnte Jahr dieser Arbeit.

Was bedeutet der Deutsche Kulturverein Ventspils für mich, was sind meine Leistungen in seiner Tätigkeit?

Der Grundstein des deutschen Kulturvereins Ventspils wurde von seinem ersten Vorsitzenden, Aleksandrs Iesalnieks, gelegt. Mihaels Gallmeisters brachte neuen Wind und Mut in den Verein und zeigte auch, wie Projekte geschrieben und bei Institutionen in Deutschland eingereicht werden sollten. Er schlug auch vor, das Oktoberfest zu veranstalten, und gemeinsam setzten wir diverse Ideen um. Jedes Jahr bringt etwas Neues, ich selbst bin mutiger geworden, und seit vielen Jahren schreibe und leite ich die Durchführung von Projekten mit Unterstützung des Bundesinnenministeriums BMI, der IFA, der Deutschen Botschaft in Riga, des lettischen Kulturministeriums, dem Stadtrat Ventspils. Mit Unterstützung des BMI, des Bundesinnenministeriums, führen wir in diesem Jahr die vier Projekte durch: einen Deutschkurs für Jugendliche, einen Wettbewerb über Deutschland, einen Kalender „Gutshöfe gestern und heute“ und ein Postkartenset, das der deutschen Geschichte in Kurzeme gewidmet ist. Interessant und schön war unser traditionelles Konzert „Uns verbindet das deutsche Lied“, das dieses Jahr in Blāzma stattfand. Meine Vereinstätigkeit ist sehr umfangreich, wunderbare Momente bieten Proben und Konzerte im Ensemble „Windau“.

Was befriedigt mich am meisten, wenn ich mich so lange für die Vereinstätigkeit opfere?

Das sind etliche Treffen mit Deutschen, ansprechende Gespräche und Weiterbildungen, Freundschaft, Einladungen zu Veranstaltungen in Deutschland.

Das sind auch gewonnene Freunde und Bekannte der deutschen Vereinen Baltikums und anderer Länder, weil ich an vielen Foren und Konferenzen, Liederfestivals und Karnevals der deutschen Vereine im Baltikum, teilgenommen habe. Das alles kann nicht einmal aufgezählt werden. Wir freuen uns über die Ergebnisse unserer Arbeiten. Das sind mehrere Kalender, die über architektonische Denkmäler von dem Bezirk Ventspils und Ventspils, über deutsche Gerichte, über die Gutshöfe von gestern und heute erzählen. Ich bin stolz, dass wir das Liederbuch "Am Bernsteinmeer" haben.

Glanz und Dankbarkeit in den Augen meiner Kollegen, wenn es mir gelungen ist, ihnen etwas Neues beizubringen.

Wie bewerte ich die Tätigkeit der deutschen Vereine Lettlands, und wie stelle ich sie mir in Zukunft vor?

Die lettisch-deutsche Gesellschaft hat Aina Balaško einst im Verband der Deutschen in Lettland vereint, und ich schätze es sehr, dass es ihr gelungen ist, eine sachkundige und aktive Stellvertreterin, Ilze Garda, vorzubereiten, die in Zukunft neue Geschäftsmodelle finden kann und die Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden weiter fördern wird.

In den deutschen Vereinen gibt es Enthusiasten, die die Lebensfähigkeit der Vereine erhalten. Jedoch gibt es Schwierigkeiten, junge Leute für diese Aktivität zu gewinnen, die oft durch ihre mangelnden Deutschkenntnisse eingeschränkt wird, die ich für ein sehr ernstes Problem halte.

Autorin: Māra Kraule
Übersetzung: Kristina Khizhniakova