Teilnahme des VDL an einer internationalen Konferenz in Wiesbaden

Erstellt: 2021-09-12 , Verband der Deutschen in Lettland
Vom 22. bis 24. September fand die 2. Internationale Konferenz „Heimatvertriebene und Heimatverbliebene – Zwei Seiten einer Medaille“ in Wiesbaden statt, in der der Verband der Deutschen in Lettland durch Aina Balaško und Ilze Garda vertreten wurde. In vielen europäischen Ländern, darunter auch in Lettland, zerstörte der Zweite Weltkrieg die jahrhundertealte deutsche Geschichte. Während zwei Jahren verließen fast 70.000 Deutschbalten Lettland, was sowohl für die Auswanderer als auch für den lettischen Staat und die Gesellschaft ein unschätzbarer Verlust war. Allerdings kann man selten über die wenigen sprechen, die in späteren Jahren in/nach Sowjet-Lettland geblieben/zurückgekehrt sind. Somit war es unangemessen, ein offener Deutscher in der Sowjetunion zu sein, daher bedeutete das Bleiben oder das Zurückkehren zumindest einen teilweisen ethnischen Identitätsverlust, aber oft eine vollständige Assimilation. Andere Länder erlebten ähnliche Geschichten, aus denen nur die Deutschen in ihre "Heimat" zurückkehrten – nach Estland, Litauen, Polen, Rumänien usw. Die späteren historischen Forschungen befassten sich hauptsächlich damit, was mit den Deutschbalten passierte, die Lettland verließen. Ähnliche Ereignisse fanden auch in anderen Ländern statt. In den letzten Jahren lag der Fokus jedoch auf den Verbliebenen und ihren Geschichten. In Lettland beispielsweise hat die Lettische Kulturakademie 2017 das Projekt “Lettland – Heimatland“ gestartet, das das Deutschtum in Lettland im 20.-21. Jahrhundert untersucht, einschließlich der Deutschen, die nach dem 2. Weltkrieg in Lettland geblieben oder später nach Lettland zurückgekehrt / eingewandert sind. Auch diese internationale Konferenz, die in diesem Jahr schon zum zweiten Mal in Wiesbaden stattgefunden hat, fokussiert das Thema der Vertriebenen und Verbliebenen, stellt die gegenseitige Kommunikation und Reflexion aller Lebensgeschichten und Erfahrungen in den Mittelpunkt und bereichert damit den bestehenden Diskurs. Wir freuen uns sehr, dass auch die VDL-Vertreterinnen an der Konferenz teilnehmen haben, um die Erfahrungen anderer Länder zu sammeln und sich auszutauschen, was in Lettland passiert. Diese Themen wirken sich auch unmittelbar auf die Arbeit der Vereine aus, da unsere Mitglieder größtenteils Nachfahren solcher Verbliebenen oder späterer Auswanderer sind. Wie sich die deutsche Identität entwickelt hat, welche Rolle die deutsche Sprache und Kultur in der Kindheit und später gespielt haben, und was das Deutschtum für die Kinder und Enkel der heutigen Mitglieder bedeutet – all dies sind sehr wichtige Fragen, wie auch im Kontext der lettischen Geschichte, in der diese Aspekte wenig reflektiert werden und die Arbeit vieler Minderheiten, insbesondere der deutschen Minderheitenvereine, beeinflussen. Daher laden wir alle Vereine und Mitglieder ein, eigene oder nahe Lebensgeschichten und Erfahrungen zu erkennen und aufzuschreiben, sowie darüber in den Vereinsversammlungen zu sprechen und damit zu aktualisieren, was seit vielen Jahren nicht mehr gehört worden ist. Übersetzung: Kristina Khizhniakova