Gespräch mit Taisija Hristoļubova

Erstellt: 2021-09-01 , Verband der Deutschen in Lettland
Ich traf mich mit Taisija Hristoļubova aus Liepaja sehr häufig: in Foren und Meetings der Leiter der deutschen Verbände, in Liederfestivals der deutschen Vereine des Baltikums und anderen gemeinsamen Veranstaltungen in Liepaja sowie in Ventspils. Wir nahmen oft gemeinsam an den deutsch-baltischen Konferenzen in Darmstadt teil, in der Taisija Hristoļubova am 24. November 2019 vom Deutsch-Baltischen Verband für die selbstlose Förderung der deutschen Kultur und die freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland gedankt wurde.

In Fortsetzung des Gesprächszyklus mit aktiven Persönlichkeiten der deutschen Vereine Lettlands gebe ich diesmal jedem die Möglichkeit, näher Taisija Hristoļubova kennenzulernen.

Was verbindet Dich mit Deutschland?

Mit Deutschland verbindet mich der Beruf, den ich an der Fakultät für Fremdsprachen an der Universität Lettlands erlernte. Ich habe einen Masterabschluss in Germanistik mit der Qualifikation als Deutschlehrerin. Das ist für mich ein Grund, nicht nur meine Kenntnisse über mein liebes Deutschland ständig zu vertiefen, sondern auch die deutsche Sprache mit den Muttersprachlern aktiv zu verwenden. So habe ich versucht, natürliche Sprachsituationen für meine Schüler*innen zu schaffen, indem ich Deutsch verwende, da die Sprache nicht vom Herkunftsland getrennt werden kann.

Warum wolltest Du Dich an der Bewegung der deutschen Kulturvereine Lettlands beteiligen?

Nach meiner Absolvierung der Universität 1970 kam ich nach Liepaja, begann in der 5. Mittelschule zur Vertiefung der deutschen Sprache zu arbeiten und arbeitete dort 22 Jahre lang. Bald wurde ich zur Leiterin eines Freundschaftsklubs mit Schwerpunkt auf außerschulischen Aktivitäten auf Deutsch befördert.

1989 versammelten sich Leute aus Liepaja mit deutschen Wurzeln im Schulgebäude und gründeten den Deutschen Verein Liepaja. Der Verein erwarb einen Büroraum in der Toma-Straße, hörte aber nicht auf, mit unserer deutschen Schule zusammenzuarbeiten. Mehrmals musste ich den Verein unter Beteiligung von Schüler*innen nicht nur in Liepaja, sondern auch in Riga unterstützen. Ich hatte zuerst herausgefunden, welche Schüler*innen deutscher Abstammung waren, bildete anschließend diese Schulgruppe und trat dem deutschen Verein bei. Dies ergänzte und bereicherte die Tätigkeit des Deutschen Vereins wesentlich.

1992 wurde ich Berichterstatter für Außenbeziehungen des Stadtrats von Liepaja und setzte meine Zusammenarbeit mit dem deutschen Verein auf einer neuen Ebene fort. Ich besuchte oft den Deutschen Verein Liepaja, der 1993 auf freundschaftlicher Initiative von Darmstadt, einer Partnerstadt von Liepaja in ein deutsch-lettisches Begegnungszentrum umgewandelt wurde und einen Büroraum in der Stendera-Straße erwarb. Das Deutsch-Lettische Begegnungszentrum Liepaja stand allen Interessierten offen. So begann ich das Begegnungszentrum immer häufiger zu besuchen und auf Initiative des damaligen Vereinsvorsitzenden half ich bei der Organisation einiger Veranstaltungen mit meinen Musikschüler*innen und einigen Kollegen. Im Jahr 2000 wurde ich Mitglied dieses Kulturvereins. Aber im Frühjahr 2002 wurde ich zum Vorsitzenden des Deutsch-Lettischen Begegnungszentrums Liepaja gewählt. Im Herbst wurde mir das Ehrenamt des Vorsitzenden des Liepaja-Verbandes der Deutschen Vereine für weitere zwei Jahre anvertraut. So wurde ich Mitglied der Bewegung der deutschen Kulturvereine in Lettland.

Was sind die besten Dinge, die Du während Deiner Arbeit im Deutsch-Lettischen Begegnungszentrum Liepaja gemacht hast?

Es fällt mir schwer, mich an all die guten Dinge zu erinnern, die in diesen 14 Jahren getan wurden. Natürlich könnten unsere Vereinsmitglieder das objektiver sagen, insbesondere diejenigen, die leider nicht mehr unter uns sind. Bei allem gebührenden Respekt vor ihnen!

Es ist unmöglich, alles aufzuzählen, und ich möchte niemanden mit langen Listen von guten Dingen belasten. Außerdem bin ich seit 2016 nicht mehr Vorsitzende unseres Vereins, sondern nur dessen Mitglied. Im Verein gibt es bis jetzt mehrere Fotoalben, viele Zeitungsartikel und Rezensionen, sogar einige Ton- und Videoaufnahmen, Dokumente, Berichte, sowie Ehrenartikel und Danksagungen, freundliche Worte, die von vielen guten Taten des Vereins zeugen, falls es jemanden interessiert.

Ich muss zugeben, dass diese unzähligen Aktivitäten das Ergebnis all unserer Tätigkeit sind, aber zusammen mit dem Vorstand versuche ich immer noch, die Vereinsaktivitäten gemäß der Satzung unseres Vereins abwechslungsreicher zu machen und das Niveau der Vereinsarbeit ständig zu erhöhen. Wir möchten unsere Mitglieder motivieren, zum Wohle aller zu arbeiten sowie freundschaftlich mit anderen deutschen Vereinen zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise ist es uns gelungen, immer mehr Mitglieder für den Verein zu gewinnen, darunter einige meiner Schüler*innen, einige Kollegen und meine Familienmitglieder. Während meiner Karriere lag der Schwerpunkt auf der Popularisierung der deutschen Sprache und Kultur sowie auf der Erforschung des deutschen Kulturerbes in Liepaja und Kurzeme, das unser aller Erbe ist. Wir leisten systematisch und mit Begeisterung die Bildungsarbeit zur Förderung der Völkerverständigung. Ich war Leiter verschiedener Projekte. Als besondere Leistung können mehrere Veröffentlichungen unserer zweisprachigen Ausgaben angesehen werden, die wir in Zusammenarbeit mit den deutschen Freunden erstellt haben. Diese Arbeiten fördern auch die Anerkennung unserer Stadt und unseres Landes in der Welt und den gegenseitigen Respekt, worüber ich mich als Projektleiterin sehr freue, denn ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft!

Autorin: Māra Kraule, Leiterin des Deutschen Kulturvereins Ventspils
Übersetzung: Kristina Khizhniakova