Internationale Kulturtage “Mare Balticum”

Erstellt: 2021-12-12 , Verband der Deutschen in Lettland
Jedes Jahr im Herbst erhalte ich eine Einladung nach Darmstadt, um an den Deutsch-Baltischen Kulturtagen „Mare Balticum“ teilzunehmen, die nur 2020 nicht stattgefunden haben.

Der gute Geist der lettisch-deutschen Vereine, Referent Gertje Anton, regt uns immer wieder an, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Nach Gertjes Anruf war ich nach Darmstadt gefahren und genoss da vom 19. bis zum 21. November das Programm der Kulturtage über die baltische Kunst unter dem Motto "Das, was kommt - erwartet niemand".

Die Teilnehmerzahl war deutlich geringer als üblich, jedoch wurde Lettland an den Kulturtagen gut vertreten. Unter den Teilnehmenden waren Nora Rutka vom Deutschbaltisch-Lettischen Zentrum DOMUS RIGENSIS, Ilona Odere, Direktorin des Mentzendorff-Hauses, Taisija Hristoļubova und Agnese Frickausa vom Deutsch-Lettischen Begegnungszentrum Liepaja sowie Stefan Meisner, Leiter der Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Deutschen St.-Peter-Gemeinde.

Wie gewöhnlich beginnt die Eröffnung der Kulturtage mit der Rede des Präsidenten der Deutsch-Baltischen Gesellschaft und Gäste. Andreas Hansens verbrachte viel Zeit mit der Suche nach Referenten und kannte sich in dem gewählten Thema sehr gut aus. Im Vorfeld der Kulturtage präsentierte er eine Ausstellung mit den Gemälden deutsch-baltischer Künstler. Achim Güssgen – Ackva von der hessischen Landeszentrale für politische Bildung hielt eine herzliche Rede. Er lobte die Tatsache, dass man im Baltikum auf verschiedenen Märkten und sogar auf der Straße hochwertige Kunstwerke kaufen kann. Zur Ausstellung brachte er in Litauen gekaufte Gemälde mit.

Margarete Ziegler – Raschdorf, Vertreterin der hessischen Landesregierung, die mit Vertriebenen und Heimkehrern arbeitet, bestätigte die Fortsetzung der Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem Deutsch-Baltischen Verband und lobte dessen Arbeit.

Bereits am ersten Tag sahen wir uns den informativen Film „Der Geist der Freiheit – Baltische Kunst im Spiegel der Zeit“ an, der uns ermöglichte, verschiedene kulturelle Veranstaltungen im Baltikum kennenzulernen. Normalerweise ist das Programm der Kulturtage sehr umfangreich, das muss man auch diesmal zugeben, da wir uns am zweiten Tag sechs Vorträge anhörten. Ernst von Waldenfels enthüllte in seinem Vortrag „Waräger aus dem Kurland“ viele Nuancen über den Künstler Nicholas Roerich, verfolgte sein Leben und hob hervor, dass sein Vater Konstantin in Paplaka, unweit von Aizpute, geboren wurde.

Interessant ist die Geschichte von Jürgen Lüder gen. Lühr über Johann Walter – Kurau als Begründer der lettischen modernen Malerei. Als Beweis dafür, dass sich Deutsche nach Reisen oft in unser Land verlieben, war die Geschichte der Fotokünstlerin Anja Putensen über ihre Erfahrungen. Sie und ihr Ehemann besichtigten Gutshöfe im Baltikum und waren so inspiriert davon, was sie sahen, dass sie ein Fotoalbum über die Gutshöfe in vier Sprachen, Deutsch, Englisch, Lettisch und Estnisch, veröffentlichten und im Album Geschichten über die Gutshöfe hinzufügten.

Mari Laanemets berichtete über die informelle Kunst während der Sowjetzeit in Estland, wenn die Künstler versuchten, moderne Kunstideen aus Amerika in ihren Werken zu verwenden. Die lettischen Vertreter waren sehr berührt von Gerda Kohls Erzählung “Vom Kap Kolka bis Aluksne“ über die bildende Kunst im Alltag der Letten. Frau Kohl verbrachte viele Sommer in Lettland und behauptete, Riga allein sei nicht Lettland. Sie versucht alle davon zu überzeugen, um außerhalb von Riga zu fahren und das neue Lettland wirklich zu entdecken sowie seine Bewohner kennenzulernen. Frau Kohl zeigte unzählige Fotos von verschiedenen Orten, sprach über viele Kunstwerke und deren Autoren, verbarg ihre Bewunderung für unser Land nicht. Am Ende des Tages sprach Merit Kopli von der estnischen Botschaft in Deutschland über die estnische Kunst und Kunstpolitik und blickte auf die Auftritte der estnischen Künstler in der Sowjetzeit und heutzutage zurück. Wir erfuhren über die Beteiligung des neuen Estnischen Kunstmuseums KUMU und der estnischen Künstler an internationalen Projekten.

Die Eventveranstalter müssen häufig sehr kreativ sein, damit alles gut läuft. Auch diesmal mussten wir am letzten Tag die Tagesordnung ändern und sahen uns statt eines Vortrags einen von Andreas Kanstein vorbereiteten Film aus dem umfangreichen deutsch-baltischen Archiv an. Die Kulturtage „Mare Balticum“ teilen nicht nur viel Zusatzwissen zum geplanten Thema mit, sondern sind eine tolle Gelegenheit, Freunde zu treffen, neue Gesichter kennenzulernen und den Herbsthauch Darmstadts zu spüren.

Autorin: Māra Kraule
Übersetzung: Kristina Khizhniakova