Gespräch mit der Radioproduzentin Guntra Ruško

Erstellt: 2022-01-13 , Verband der Deutschen in Lettland
Am Jahresende fand unser traditionelles Interview diesmal mit Guntra Ruško statt. Wir alle kennen Guntra als aktive Teilnehmerin an verschiedenen deutschen Veranstaltungen und deren Beleuchtung in der Reihe von Radiosendungen für Kulturvereine im Lettischen Radio 4. Bei diesen Veranstaltungen ist Guntra keine gelangweilte Zuhörerin oder Zuschauerin, sie macht ständig Fotos, nimmt Audios auf, interviewt sowohl die Organisatoren der Veranstaltung als auch die Teilnehmer, um sich gut auf Radiosendungen vorzubereiten.

Was verbindet Dich mit Deutschland?

Ich kann nicht genau sagen, wo meine Wurzeln sind. Ich erinnere mich jedoch an die Lieder meiner Mutter auf Deutsch und ihre Stimme als Kind, wenn sie Deutsch sprach. Leider sprach sie nicht über ihre Wurzeln, aber sie könnten in der Familie von der Pahlen, die in der Nähe Zilākalns lebte, gesucht werden. Diese Kindheitserinnerungen sind unauslöschlich, aber Deutsch brachte mir meine Mutter auch nicht bei.

Wie sieht Deine Zusammenarbeit mit den deutschen Vereinen Lettlands aus?

Seit 32 Jahren arbeite ich mit den deutschen Vereinen zusammen. Das Radiokomitee hatte die Idee, Programme für Kulturvereine zu produzieren, und ich war für die Zusammenarbeit mit livischen, deutschen, polnischen und aserbaidschanischen Vereinen verantwortlich. Die Schwierigkeit bestand darin, dass ich diese Sprachen nicht konnte, was mich veranlasste, mich für den deutschen Verein zu entscheiden. Ich ging zu Interviews in die Kleine Gilde, wo sich der Rigaer Deutsche Kulturverein versammelte. Die Arbeit ging erfolgreicher voran, als ich Aina Balaško kennengelernt hatte, die für die Minderheiten zuständig war und mit diversen Informationen über die Veranstaltungen half.

Die ersten Interviews wurden von Juris Ansviesulis gegeben, die ich mit einem Dolmetscher machte, da sie nur auf Deutsch waren. Damals wurde das Ensemble “Morgenrot“ unter der Leitung von Vija Markova im deutschen Verein Riga gegründet, und die Musiksprache brachte uns noch näher zusammen. Aina Balaško lud mich stets zu verschiedenen Reisen mit ihr ein. Wir gingen zusammen nach Valmiera, wo die Mitglieder des Vereins Valmiera unter der Leitung von Verners Roberts wunderbare Veranstaltungen, Feiern und Treffen im Gutshof „Luca“ vorbereiteten. In Dobele traf ich Christa Schulmann. Sie sprach viel über die Deutschen in Dobele, über das „Deutsche Haus“. Es gab sehr interessante und schöne Geschichten über die Gründung der deutschen Vereine in Lettland.

Ich erinnere mich, dass der Leiter des Vereins Valmiera, Verners Roberts, alle Feierlichkeiten mit einer Polonaise begann, und in Dobele nahm ich zum ersten Mal am deutschen Karneval teil. Später startete eine ernsthaftere Arbeit in Liepaja. Taisija Hristoļubova führte literarische Veranstaltungen sowie Exkursionen durch. Die Wiedergeburt-Mitglieder sprachen über die deutsche Gemeinde in Kasachstan, wo sie in ihrer kleinen deutschen Diaspora in die Wüste vertrieben wurden.

Ich arbeitete mit dem deutschen Verein Daugavpils zusammen, der von Georgijs Jesse geleitet wurde, der später die Vereinsleitung an seine Tochter Olga übergab.

Es war für mich sehr interessant, überall mitzumachen. Dabei half mir die Unterstützung von Aina Balaško. Im Laufe der Jahre waren die Interviews auch über Lettland hinaus verbreitet.

Bei der Teilnahme an den Veranstaltungen lernte ich die Leiterin und Tanzpädagogin der Ballettschule Neuenhagen, Simone Meuche, und ihre Tänzerinnen und Tänzer des internationalen Tanzfestivals „Tanzolympiade Riga“ kennen, um sie den deutschen Vereinen Lettlands vorzustellen. Ich nahm auch an den literarischen Veranstaltungen teil, die von der Leiterin der Österreichischen Bibliothek und des Schweizer Lesesaals der Akademischen Bibliothek der Universität Lettlands, Ņina Kočetkova, für die Gäste aus der Schweiz und zum Jubiläum des Schriftstellers Ēriks Grūbeļs durchgeführt wurden.

Natürlich ist es unmöglich, alle Treffen aufzuzählen. Sie waren sowohl inhaltlich als auch ereignismäßig sehr vielfältig, so dass ich eines sagen kann, sie haben mein Leben sehr bereichert und es ermöglicht, monatliche Radiosendungen zu produzieren. Ich möchte auch erwähnen, dass ich eine kreative Zusammenarbeit mit dem deutschen Verein St.-Petersburg und ihrer Leiterin, Natālija Kraubnere, hatte. Das deutsche Liedensemble "Lorelei" (St. Petersburg).

Die deutsche Sendung im Radio 4 wurde nach und nach länger, zuerst von 15 Minuten bis 20 Minuten, und jetzt dauert sie 30 Minuten lang.

Wie produzierst Du Radiosendungen?

Aufgrund der Sprachbarriere ist es schwierig, deutsche Sendungen zu erstellen. Zuerst hatte mir Kārlis Reimanis, ein freiberuflicher Journalist des Vereins Riga, dabei geholfen.

Bei der Vorbereitung von Programmen trete ich in Kontakt mit den aktiven Vereinsmitgliedern, die mich über wichtigste Veranstaltungen in den Vereinen informieren. Ich finde diverse Informationen auf den Webseiten des Verbandes der Deutschen in Lettland und der anderen Vereine sowie folge ihrer Facebook-Seiten. Um das Programm viel interessanter und aktueller zu machen, möchte ich die Deutschbalten und die deutsche Diaspora in Lettland dazu ermutigen, sich ihre Ideen auszutauschen sowie mitzumachen, zum Beispiel, bei der Erstellung von Quizfragen, die interessant zu hören wären. Freut mich, einen Gast ansprechen zu können. In diesem Jahr spreche ich mit dem deutsch-baltisch-Referenten in Lettland, Gertje Anton.

Ich war überrascht, als er kurz nach dem Interview mit dem deutschen Botschafter auf Lettisch zu sprechen begann, was als Impuls und Beispiel für die Botschafter der anderen Nationalitäten in Lettland diente, um etwas Nachhaltiges aus der lettischen Kultur in ihre Arbeit mitnehmen zu können.

Ich bin eine freiberufliche Radiomitarbeiterin und denke aber, dass die Sendung so lange wie möglich weiter produziert werden sollte, solange ich die Energie dazu habe sowie mit den Vereinen, die immer noch leben, atmen und tätig sind, in Kontakt trete. Ich freue mich auf den Moment, in dem wir uns wieder frei bewegen, an den großen Feiertagen versammeln sowie reisen können.

Es wäre toll, wenn mehrere Jugendliche in die Vereinsarbeit engagiert würden, damit sie Deutsch lernen könnten. Außerdem ist es immer aber toll, dass die Person mehrere Fremdsprachen beherrscht, so kann sie besser Volkstraditionen und deren kulturellen Werte verstehen.

Autorin: Māra Kraule
Übersetzung: Kristina Khizhniakova